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Kürzestreise durch Orte und Zeit von Pi über Pip zu Pipi – Pipifax sieht anders aus

Verfasst von Urs Scheidegger |

Da kommt aber einiges zusammen – aus der Mathematik, der Geldwirtschaft, der Informationstechnologie, der Onomatologie, aus der Brauseproduktion und deren Abfuhr: von Pi über Pip und Pipi zu Pipifax! Aber der Reihe nach, wenn auch in umgekehrter Reihenfolge.

Pipifax stammt aus einer Zeit, als Kulissenschieber noch eine Berufsgattung war, Pipifax hat seine Wurzeln im Berliner Theatermilieu und steht für «Unsinn» (neudeutsch auch Nonsense). Der Begriff geht auf die Hauptfigur der im Oktober 1862 in Berlin uraufgeführten burleske Posse «Der Teufel im Hühnerhof» zurück, in dem ein Teufel namens Pipifax seinen Auftritt hat. Der Kobold soll sich beim Berliner Publikum dermassen grossen Beliebtheit erfreut haben, dass sich im Laufe der Zeit die ulkige Bühnenfigur zum Synonym für lächerliche Kleinigkeiten oder kleine Lächerlichkeiten durchsetzte.
Pipifax nennt sich übrigens auch eine Papierwaren- und Buchbindereiwerkstatt im aargauischen Lenzburg, dort fertigt sie seit 1997 auf historischen Maschinen Hefte und Schachteln.

Pipi trinken, Pipi machen – Flüssigkeit zu- und abführen 
«Sich mal eben einen Schluck Pipi gönnen» – diese Bekundung mag manche schon ein bisschen irritieren, nicht aber Leute, die sowohl der deutschen Kindersprache mächtig als auch des kroatischen Trinkverhaltens kundig sind. «Lotti Pipi machen» und «(Pipilotti) Pipi trinken» sind akustisch zwar irgendwie verwandte Verlautbarungen, die Bedeutungen indes könnten gegensätzlicher kaum sein – «Pipi machen» versteht hier jedes Kind als eine Art Flüssigkeitsabfuhr, wohingegen «Pipi trinken» in Split und Umgebung, wo die Limonadenmarke Pipi seit den 1970er-Jahren kursiert, eher mit Flüssigkeitszufuhr assoziiert wird.

Da wir schon bei Flüssigkeitsumwälzungen sind: Pipi heisst auch ein Nebenfluss des Kotto in der Zentralafrikanischen Republik. Und Pipi, die endemische Muschelart in Neuseeslands Gewässern, lässt sich gar essen. Auch gebacken oder gekocht. Traditionelle Zubereitungsarten bei den Māori sind Muschelküchlein oder Einlagen für eine Muschelsuppe namens Clam Chowder. Raritäten allenthalben… zumal die Fangbegrenzung gerade mal bei einem drittel Gros pro Person und Tag liegt.

Pip – jung und englisch
Weder Māorischen, noch koatischen, noch deutschen Ursprungs ist Pip. Pip ist relativ jung, vielfältig und englischer Herkunft. Es ist ein Spitzname für Personen mit den Namen P hilip oder P hilippa.
Pip steht auch für «Pip Installs Packages»… in der Programmiersprache Python beispielsweise ist pip das Standard-Verwaltungsprogramm (Paketmanager) für Softwarepakete. 
Im Umfeld von HRM (Human Resource Management) steht PIP für Performance Improvement Plan, einen Leistungsverbesserungsplan für was auch immer.
Und letztendlich versteht man unter einem Pip («Percentage in Point») die kleinste Preisveränderung, die bei Währungsvergleichen zum Tragen kommt. Bewegt sich EUR/CHF zum Beispiel von 1,0681 auf 1,0688, entspricht das einer Bewegung von 1 Pip.

Pi – jung, geschäftig und englisch, aber auch sehr alt, altgriechisch und chinesisch
PI, ein Principal Investigator, bezeichnet in vielen Ländern den wissenschaftlichen Leiter, der in der Regel auch Mittelempfänger der Fördergelder eines Projektes ist. Ursprünglich wurde der Begriff v. a. in Laborstudien in den Naturwissenschaften sowie bei klinischen Studien verwendet. Aufgrund ihrer herausgehobenen Rolle werden PIs auch als wissenschaftliche Entrepreneure bezeichnet. Der Begriff wird auch als Synonym für Laborleiter oder Forschungsgruppenleiter verwendet.
Dann wäre da noch die Zahl π mit ihrer sehr langen Tradition. Seit der Entdeckung von Pi vor rund 4000 Jahren versucht jede Zivilisation, diese magische Zahl nach ihren Möglichkeiten (präzise) zu berechnen. Die Bezeichnung π verweist auf den Anfangsbuchstaben des griechischen Worts περίμετρος (Umfang), was das Verhältnis der Länge einer Kreislinie zu was auch immer andeutet. Allerdings wurde erst im Jahr 1706 zum ersten Mal der griechische Kleinbuchstaben π eingesetzt, seit Leonard Euler ist die Bezeichnung π allgemein üblich.
Lösungsversuche aber reichen viel weiter zurück. So konnte der griechische Mathematiker Archimedes um das Jahr 250 v. Chr. Pi mit Hilfe von 96-seitigen Polygonen durch 223 / 71 < π < 22 / 7 abschätzen und damit auf zwei Nachkommastellen genau berechnen. Später haben die beiden chinesischen Mathematiker Liu Hui und Zu Chongzhi im Zeitraum 300 bis 500 auf Basis von Polygonen mit bis zu 12288 Seiten Pi mit dem Näherungsbruch 355/113 auf sechs Nachkommastellen genau bestimmt.

Ab dem 16. Jahrhundert wurden in Europa die Forschungen zur Kreiszahl wieder aufgenommen, wobei sich seit dieser Zeit ein gewisser Wettlauf hinsichtlich der Berechnungsgenauigkeit einstellte. Geometrische Verfahren, die auf der Annäherung des Kreises durch Vielecke basierten, wurden zunehmend durch Methoden der Analysis ersetzt, vornehmlich Berechnungen über unendliche Reihen, die seit der mathematisch strengen Begründung der Trigonometrie zur Verfügung standen. Im Zeitraum 1761 bis 1768 konnte Johann Heinrich Lambert den mathematischen Beweis erbringen, dass π eine irrationale Zahl ist. Dieses Ergebnis wurde 1882 von Ferdinand von Lindemann durch den Beweis, dass π eine transzendente Zahl ist, verschärft. 

Mit fortschreitenden Techniken und verschiedenen Methoden wurde immer wieder versucht, die Nachkommastellen in die Höhe zu treiben. 1949 wurden gleich zwei Rekorde aufgestellt: Ein mechanischer Rechner brachte es auf 1000 Stellen, einer der ersten elektronischen Computer etwas später auf 2000 Stellen. In den folgenden Jahrzehnten nahm die Rechenleistung exponentiell zu.

 

Am 14. März 2019 verkündete Emma Haruka Iwao einen neuen Weltrekord: Die japanische Informatikerin hat die Zahl Pi auf 31'415'926'535'897 Stellen genau berechnet. Wie das Datum (3/14) ist auch die Zahl nicht zufällig gewählt. Sie entspricht den ersten 13 Dezimalstellen von Pi. Die Cloud Computer ihres Arbeitgebers Google rechneten dafür während 105 Tagen pausenlos. 

Wichtige Details zum 2019er-Rekord: Rechenleistung: Die Berechnung lief rund 121 Tage lang pausenlos auf virtuellen Maschinen der Google Cloud. Datenmenge: Es wurden etwa 19.000 Terabyte (19 Petabyte) an Daten verarbeitet. Symbolik: Die Länge des Rekords entspricht genau den ersten 13 Nachkommastellen von π (3,1415926535897).

 

30 Stunden Pi-Sport im Sommer 2005
Das Auswendiglernen der Zahl Pi ist die beliebteste Möglichkeit, das Merken langer Zahlen unter Beweis zu stellen. Für das Memorieren werden spezielle Mnemotechniken angewandt. 

Der aktuelle Rekord im Pi-Vorlesen liegt bei 108000 Nachkommastellen in 30 Stunden. Der Weltrekordversuch begann am 3. Juni 2005 um 18:00 Uhr und wurde am 5. Juni 2005 um 0:00 Uhr erfolgreich beendet. Über 360 Leser lasen jeweils 300 Nachkommastellen. Organisiert wurde der Weltrekord vom Mathematikum in Giessen.

 

 

 

 

 

 

Als irrationale Zahl hat die Kreiszahl Pi zwar unendlich viele Stellen, der Computing-Bereich macht sich dennoch einen Sport daraus, zu sehen, wer wie viele Nachkommastellen berechnen kann.
Als irrationale Zahl hat die Kreiszahl Pi zwar unendlich viele Stellen, der Computing-Bereich macht sich dennoch einen Sport daraus, zu sehen, wer wie viele Nachkommastellen berechnen kann.
Erst «Pipi trinken» (in Split und Umgebung, wo die Limonadenmarke Pipi seit den 1970er-Jahren kursiert), danach kann man auch «Pipi machen».
Erst «Pipi trinken» (in Split und Umgebung, wo die Limonadenmarke Pipi seit den 1970er-Jahren kursiert), danach kann man auch «Pipi machen».

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