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(H)Aarewelle! Oder doch eher: Wadamahada?

Verfasst von Urs Scheidegger | |   Glossen

Gegensätze ziehen sich an. Entweder man hat es oder nicht (mehr), das Haar auf dem Kopf. Ein nicht ganz humorfreier Augenschein in Glossenform.

Eine haarige Angelegenheit, die alle Jahre wieder offenbart, was der Trend – nicht unbedingt im, sondern auf dem Kopf – vorgibt, ist die Solothurner (H)Aarewelle, eine Leistungsshow der angehenden Coiffeure und Coiffeusen, die dieses Jahr unter einem Motto «Rockabilly» ihr 50-Jahr-Jubiläum feierte. Haar allüberall, wenn auch nicht gleichmässig verteilt. Ordnung ist gefragt. Da böte sich mal die Segregation nach Farben an, die zeigt, dass Blonde durchschnittlich 150000, Brünette 110000, Schwarzhaarige 100000 und Rothaarige 90000 Haare auf der Matte haben. Bei Vollbesetzung ohne Rücksicht auf nennenswerte Verluste. Am andern Ende von Zero Waste, was das Kofhaar betrifft, wäre dann wohl die fernöstlich klingende Wadamahada-Frage mit insbesondere brüskierenden Nebenwirkungen bei Männern, welche die Stirn unübersehbar bis zum Rücken tragen: War da mal Haar da?

Haarsträubend – Selbstversuch mit Glatzenrechner
Wer noch über keine Fleischmütze verfügt, kann sich vorsorglich – es gibt ja allerhand Vermessungen wie  Faltenrechner, bisheriges Hüftgold extrapolierende Bauchrechner oder auch die Hühneraugenvorhersage aus der aktuellen Hornhautbeschaffenheit am Fuss – am Glatzenrechner versuchen.
«Sie haben noch ziemlich volles Haar, das aber altersbedingt dünn und brüchig werden kann, weil die Energieversorgung im Alter schwächer wird. Deshalb sollten Sie Ihre Haarwurzeln täglich kräftigen.» Und weiter: «Aufgrund Ihrer zu Schuppen neigender Kopfhaut, das …  Doppel Effekt Coffein-Shampoo gegen Schuppen und erblich bedingten Haarausfall. In der 1. Phase wird die Kopfhaut gründlich von Schuppen befreit. Somit wird der Weg frei für den Coffein-Complex. Dieser dringt in der 2. Phase bis zur Haarwurzel vor und stärkt sie gegen erblich bedingten Haarausfall.»
Die Empfehlungen kommen nicht von ungefähr. Denn der Glatzenrechner ist Teil einer breit angelegten Werbekampagne eines Unternehmens, das ihr Haarwuchsmittel an den Mann bringen will…

Über die Anzahl der Haare an verschiedenen Körperstellen des Menschen wird längst Statistik geführt. Leider gibts keine Zahlen zum Bart. Wo des Barttragens prosaische Wurzel zu suchen ist, wurde vor Jahren schon mal intelligent glossiert. Demnach liegt sie im Zeitgewinn! Denn der Bartlose vertrödele «so um die dreieinhalbtausend Stunden seines Lebens vor dem Spiegel». Und dann kommt auch noch die Frau ins Spiel. Sie sei es, die den Bart aus den Untiefen männlichen Emanzipationsprotests spriessen lasse, der sich auf die einprägsame Formel bringen lässt: Nimmst du mir meine Hose, sträube ich dir mein Barthaar entgegen…

Haarsträubend oder doch eher …
Haarsträubend oder doch eher …
… wadamahada?
… wadamahada?