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Von Fix-, Wander- und Wandelsternen: Wenn der «Stern» sich mannigfach konstelliert

Verfasst von Urs Scheidegger |

Der Begriff «Stern» tritt mannigfaltig in Erscheinung: etymologisch, geometrisch, astronomisch und publizistisch. Das Medienmagazin «Stern» wurde 1948 gegründet, der Stern als selbstleuchtender Himmelskörper ist nicht allein und jahrmilliarden alt. Etymologisch und geometrisch betrachtet kommt der «Stern» zwar bedeutend jugendlicher daher, aber immerhin noch so alt, dass er mit dem griechischen und dem Lateinischen Vokabular träf konstelliert: ἀστήρ und stella fristen – unabhängig von Fix-, Wander- und Wandelsternen – in Begriffen wie «Asteroid» oder «Konstellation» bis heute ihr Dasein. Für dieses Durchhaltevermögen gibts eine Fünf-Sterne-Bewertung!

Wenn ein Nagel sich wacker an seinem Gehänge abmüht, kann man getrost von einem «Wackernagel⁠» sprechen… Wenn ein Biber mit Zahnprothese sich an Hartholz zu schaffen macht, riskiert er sein Renommee, vom «Wackernager⁠» zum «Wackelnager⁠» zu mutieren… Spätestens hier dürften homophon «falsche Freunde» aus der deutschen Sprache insbesondere gegen Ostasiaten auf der Lauer liegen, zumal vornehmlich Koreaner und Japaner keinen Unterschied zwischen L und R (er)kennen. Die Verwechslung von L und R übrigens wurde auch schon ausstellungsmässig am Beispiel von Links und Rechts in Szene gesetzt.

Wie aber sieht es nun mit Wandersternen, Wandelsternen und Fixsternen aus? Welche Sterne sind denn nun fix? Nahezu alle, sind wir geneigt auszurufen! 99,9 % der sichtbaren Sterne am Nachthimmel sind Fixsterne. Schliesslich grenzt der historische Begriff Fixstern die leuchtenden Sonnen von den «Wandelsternen⁠» (den Planeten unseres Sonnensystems) ab, die sichtlich im Laufe der Zeit ihre Position am Himmel ändern. Aber sind wirklich alle Sterne, die wir mit blossem Auge sehen können (etwa 3000 bis 6000), sowie die Milliarden weiterer Sterne in unserer Milchstrasse, denn auch Fixsterne? Oder können wir diesen Begriff als fixe Idee verwerfen? Keineswegs, sofern «fix⁠» nicht in der Bedeutung von «unbeweglich⁠» verstanden werden soll, sondern als «fix unterwegs⁠», will heissen extrem schnell und weit entfernt in den Tiefen des Universums.

Wegen ihrer enormen Entfernung zueinander verändern sich unsere Sternbilder mit blossem Auge über Jahrtausende hinweg nicht, also kaum merklich. Die einzige Ausnahme am Himmel sind die Planeten (wie Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn und Sonderfall Neptun) sowie der Erdenmond, da sie allesamt kein eigenes Licht erzeugen und sich im Sonnensystem wahrnehmbar zur Erde bewegen. Und dabei vergleichsweise extrem nah, relativ langsam und doch recht schnell unterwegs sind: am schnellsten Merkur mit rund 48, Venus mit 35, Mars mit 24, Jupiter mit 13 und Saturn mit knapp 10 Kilometern pro Sekunde. Aber eben, ein Bruchteil von sogenannten Hyperschnellläufern, die mit nur 1000 km/s selbst ihren Galaxien entfleuchen können. Als bislang schnellster, je beobachteter Stern gilt S4714, der das supermassereiche Schwarze Loch Sagittarius A* im Zentrum der Milchstrasse umkreist. An seinem erdnächsten Punkt, etwa 12,6 AE (1,88 Milliarden km) von Sagittarius A* entfernt, was ungefähr der Entfernung zwischen den Umlaufbahnen von Saturn und Uranus um die Sonne entspricht, erreicht er eine Geschwindigkeit von 24000 km/Sekunde (etwa 86 Millionen km/h), also mehr als 8 % der Lichtgeschwindigkeit. Die Entdeckung von S4714 wurde vom deutschen Astrophysiker Florian Peissker geleitet, der den Stern zusammen mit Mitarbeitern mithilfe des Very Large Telescope (VLT) in Chile entdeckte. Der Fund des hyperschnellen Rasers S4714 wurde in «The Astrophysical Journal» veröffentlicht.

Wandelstern – ἀστέρες πλανῆται – Wanderstern

Das Wort «Wandelstern⁠» ist ein Neologismus aus dem 17. Jahrhundert, entstanden rund um die Planeten-Diskussion. «Planet⁠» seinerseits entstammt etymologisch dem altgriechischen πλανήτης, was «Umherschweifender⁠» oder «Wanderer⁠» bedeutet. Ursprünglich wurden die fünf in der Antike bekannten Planeten Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn von den antiken Astronomen als ἀστέρες πλανῆται, also Irrsterne oder Wandelsterne bezeichnet, weil sie sich im Gegensatz zu den feststehenden Sternen (Fixsternen) am Nachthimmel bewegten. 
Und ja, der Begriff «Wanderstern⁠» ist auch heute noch in Gebrauch, wenn auch eher in Verbindung mit intergalaktischen Objekten, sogenannten Rogue Planets oder «Vagabundierenden Sternen». Dabei handelt es sich um Planeten oder Sterne, die aus ihrem ursprünglichen Sonnensystem oder ihrer Galaxie herausgeschleudert wurden und nun völlig frei und heimatlos durch intergalaktische Sphären driften.
Rogue Planets (von englisch rogue planet, auch freifliegender bzw. vagabundierender Planet (englisch free floating planet, FFP), Einzelgänger-Planet, Waisenplanet oder Planemo (von engl. planetary mass object), sind interstellare Objekte, die gravitativ völlig losgelöst von massereicheren Körpern hyperschnell im All rumrasen.     

 

Alles Stern oder was? Mannigfaltige Erscheinungen.
Alles Stern oder was? Mannigfaltige Erscheinungen.

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